Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
Halle (Saale), 21. September 2026 - Nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern fordert der Dachverband der Migrant*innenorganisationen in Ostdeutschland DaMOst e.V. die demokratischen Parteien und die künftige Landesregierung auf, die gesellschaftliche Vielfalt des Landes konsequent in konkrete politische Maßnahmen zu übersetzen.
Für DaMOst geht es um konkrete Lebensbedingungen: Bildung und Ausbildung, bezahlbaren Wohnraum, Zugang zu Arbeit und Gesundheitsversorgung, politische Mitbestimmung, den Schutz vor Rassismus und Diskriminierung sowie die Zukunft der ländlichen Räume. Menschen mit Migrationsgeschichte sind in all diesen Bereichen Teil der Gesellschaft und müssen bei politischen Entscheidungen entsprechend berücksichtigt werden.
Ein zentrales Thema ist die politische Repräsentation. Menschen mit Einwanderungsgeschichte leben seit Jahren oder Jahrzehnten in Mecklenburg-Vorpommern, engagieren sich in Vereinen, Initiativen, Unternehmen und Kommunen und übernehmen Verantwortung. Trotzdem sind sie in politischen Parlamenten und Entscheidungspositionen weiterhin deutlich unterrepräsentiert. DaMOst fordert bessere Zugänge zu politischer Beteiligung, bessere Chancen auf aussichtsreiche Listenplätze und politische Mandate sowie eine stärkere Einbindung migrantischer Organisationen in politische Beratungs- und Entscheidungsprozesse.
Auch in der Bildungspolitik braucht es gleiche Chancen für Kinder und Jugendliche mit und ohne Einwanderungsgeschichte. Schulen und Kitas müssen ausreichend mit Personal, sozialpädagogischen Angeboten und Sprachförderung ausgestattet sein. DaMOst fordert insbesondere eine bessere Förderung von Kindern, die Deutsch als weitere Sprache lernen, sowie ausreichende Beratungsangebote für Familien. Der Übergang von der Schule in Ausbildung und Studium müsse stärker unterstützt werden.
Mecklenburg-Vorpommern steht vor einem wachsenden Fachkräftebedarf. Gleichzeitig arbeiten viele Menschen mit ausländischen Berufs- und Hochschulabschlüssen unterhalb ihrer Qualifikation oder finden nur schwer Zugang zum Arbeitsmarkt.
„Wer Fachkräfte sucht, muss auch dafür sorgen, dass Menschen ihre Qualifikationen einsetzen können. Es kann nicht sein, dass Ärztinnen, Ingenieurinnen, Pflegekräfte, Handwerker*innen oder andere Fachkräfte trotz vorhandener Qualifikationen dauerhaft unter ihren Möglichkeiten arbeiten, weil Anerkennungsverfahren zu kompliziert oder Unterstützungsangebote nicht ausreichend sind“, erklärt Dr. Rubén Martín Cárdenas Carbajal, Vorstandsmitglied bei DaMOst e.V.
Migration darf nicht isoliert betrachtet werden. Ob Menschen dauerhaft gut in Mecklenburg-Vorpommern leben können, hängt auch von bezahlbarem Wohnraum, erreichbarer medizinischer Versorgung, guten Schulen und zuverlässigem öffentlichem Nahverkehr ab. DaMOst fordert deshalb, diese Bereiche insbesondere im ländlichen Raum zu stärken. Beratungsstellen, Behörden, Schulen, Gesundheitsangebote und Mobilität müssen erreichbar sein. Steigende Mieten, hohe Lebenshaltungskosten und mangelnde Infrastruktur betreffen dabei die gesamte Gesellschaft.
Besondere Verantwortung sieht DaMOst beim Schutz vor Rassismus, Antisemitismus, antimuslimischem Rassismus, antischwarzem Rassismus und anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Menschen mit Migrationsgeschichte müssen darauf vertrauen können, dass sie bei rassistischen Angriffen, Diskriminierung und Bedrohungen Unterstützung erhalten und solche Vorfälle konsequent verfolgt werden. Die neue Landesregierung müsse Beratungsstellen, Demokratieprojekte und zivilgesellschaftliche Initiativen langfristig absichern sowie wirksame Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und menschenfeindliche Ideologien stärken.
„Demokratischer Zusammenhalt entsteht nicht dadurch, dass Konflikte verschwiegen werden. Er entsteht, wenn Menschen unabhängig von ihrer Herkunft sicher leben, ihre Rechte wahrnehmen können und darauf vertrauen können, dass der Staat sie schützt“, betont Samer Haj Khamis, Vorstandsmitglied bei DaMOst.
Migrant*innenorganisationen verfügen über Erfahrungen und Zugänge zu Communities, die staatliche Einrichtungen häufig nur schwer erreichen. Sie beraten bei Fragen zu Bildung, Arbeit, Aufenthalt und sozialer Teilhabe, unterstützen neu Zugewanderte und leisten wichtige demokratische Arbeit. DaMOst fordert deshalb eine langfristige und verlässliche Förderung migrantischer Organisationen. Projekte dürften nicht ausschließlich über kurzfristige Förderperioden finanziert werden, wenn dauerhaft wichtige Aufgaben übernommen werden. Migrantische Selbstorganisation müsse als eigenständiger Bestandteil einer demokratischen und vielfältigen Zivilgesellschaft anerkannt und in politische Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Mit Migranet-MV verfügt Mecklenburg-Vorpommern über einen starken landesweiten Zusammenschluss migrantischer Organisationen, dessen Expertise die Landespolitik stärker nutzen sollte.
Mecklenburg-Vorpommern ist vielfältig. Diese Vielfalt muss sich auch in seiner Politik widerspiegeln.
Kontakt für Nachfragen:
Vorstand Dachverband der Migrant*innenorganisationen in Ostdeutschland – DaMOst e.V.
Landsberger Straße 1
06112 Halle (Saale)
E-Mail: vorstand@damost.de
Telefonnummer: +49 (0) 345 68 68 64 28