zum Inhalt
DaMOst

Jetzt mitmachen – für mehr Sichtbarkeit der ostdeutschen Migrationsgesellschaft!


Termine:

Erzählcafés in Cottbus, Dresden und Halle sind derzeit in Planung und werden voraussichtlich zwischen Mai und September stattfinden.

Wer kann mitmachen?

Wenn ja, dann machen Sie mit!


Warum mitmachen?

Mit dem Projekt MigOst sollen Geschichten von Menschen mit Migrationsgeschichte und migrantisierten Personen in Ostdeutschland sichtbarer gemacht werden: in Theateraufführungen, Stadtführungen oder Ausstellungen, aber auch in Forschungsbeiträgen und im öffentlichen Diskurs. Dazu braucht es Menschen, die bereit sind, aus ihrem Alltag und von ihren Erfahrungen zu erzählen – gemeinsam mit anderen in Erzählcafés und/ oder einzeln in biografischen Interviews.

Wir wollen Sie als Teil der Zivilgesellschaft an möglichst vielen Schritten des Projektes beteiligen, darunter die Konzeption und Durchführung der Erzählcafés. Dem Grundsatz der Bürger*innenwissenschaften bzw. der Citizen Science entsprechend wird nicht über, sondern gemeinsam mit Menschen geforscht und gearbeitet.

MigOst braucht Sie, um die Vielfalt der Migrationsgesellschaft in Ostdeutschland sichtbar zu machen!

Melden Sie sich am besten gleich bei den Ansprechpersonen vor Ort:


Rückblick: Erste Erzählcafés ein voller Erfolg!

2. Oktober 2021/ Dresden

Knapp 15 ehemalige Vertragsarbeiter aus Kuba, Mosambik und Vietnam kamen am 2. Oktober zu einem historischen Treffen im Rahmen unseres zweiten Erzählcafés im Weltclub in Dresden zusammen. Noch nie, so meinten die Anwesenden, kam es zu so einer Begegnung unter den verschiedenen Gruppen, bei dem sie sich über ihre Geschichte in der ehemaligen DDR und im wiedervereinigten Deutschland unterhalten haben.
So berichteten alle ausführlich von ihren jeweiligen Werdegängen, Problemen und Erlebnissen, seit sie von ihren Heimatländern fortzogen. Es konnten viele Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede entdeckt werden. Bspw. die Unterschiede darin, wie viel und wohin Anteile der Gehälter damals an die Heimatländer gingen und was damit passiert ist.
Emotional wurde es, als David Macou, der als einziger der Anwesenden Anfang der neunziger Jahre zurückgekehrt ist, von seinen Erlebnissen als Betroffener der Pogrome in Hoyerswerda 1991 erzählte. Seit seiner Rückkehr nach Mosambik, demonstriert er zusammen mit anderen ehemaligen Vertragsarbeitern jeden Mittwoch dafür, dass die Regierungen ihnen das Geld zurückgibt, was von ihren Löhnen abgezogen und von ihren Sozial- und Rentenversicherungsbeiträgen einbehalten wurde. Sie wollen Anerkennung und Entschädigung.

2. Oktober 2021/ Cottbus

„Einen Platz finden, wo man sein kann, wie man ist“ – diesen Wunsch äußerte Enas, die das erste Erzählcafé in Cottbus mit vorbereitet hat, und dieser Wunsch war auch ein zentrales Thema der Gespräche. Das Erzählcafé fand in Zusammenarbeit mit dem Geflüchteten Netzwerk Cottbus statt und richtete sich an arabische und als arabisch wahrgenommene Frauen. Mit rund zehn Frauen durften wir die Räume und die sonnige Terrasse des ‚Café Käthe‘ im Familienhaus der Jugendhilfe Cottbus nutzen. Die Gespräche des ganztägigen Erzählcafés, moderiert von der Wissenschaftlerin und Autorin Douha Al-Fayyad, drehten sich um das Ankommen, Leben und Arbeiten in Cottbus und insbesondere um Erfahrungen, die kopftuchtragende Frauen in der Stadt machen. Das Erzählcafé hat einen Raum für intensiven Austausch unter den Teilnehmerinnen geöffnet.

1. Oktober 2021/ Dresden

Am 1. Oktober haben wir zum ersten Erzählcafé in Dresden in den Weltclub eingeladen. Dazu hatten wir zwei vietnamesische Zeitzeuginnen zu Gast, die 1955 im Alter von zwölf Jahren mit dem Zug aus Vietnam nach Moritzbug in die DDR gekommen sind. Hintergrund war ein Abkommen zwischen den beiden sogenannten sozialistischen Bruderländern. So kamen ca. 350 vietnamesische Kinder mit dem Zug über Peking, Moskau und Warschau mit den Zug in das Käthe-Kollwitz-Heim nach Moritzburg oder Das Maxim-Gorki-Heim nach Dresden. Dort lernten sie Deutsch und gingen zur Schule, weit weg vom Krieg in Vietnam. Im Jahr 1957 kam Ho Chi Minh, um die Kinder zu besuchen. Viele der sogenannten „Moritzburger“ absolvierten nach 1959 eine Ausbildung oder ein Studium in der ehemaligen DDR, um mit dem erlernten Wissen das Heimatland wieder mit aufzubauen.
Die Zeitzeuginnen berichteten von ihrem Leben in Moritzburg, von der Zeit danach in Vietnam, der DDR und im späteren wiedervereinigten Deutschland. Die knapp 20 Gäste, vor allem Vietnames:innen der Vertragsarbeitergeneration sowie deren Kinder. Dabei wurde sich rege zu historischen Themen, den Biografien der Zeitzeuginnen, Bildung und kulturellem wie sozialem Engagement ausgetauscht.
Als Überraschungsgast war der stellv. Ministerpräsident Sachsens Martin Dulig vor Ort, der selbst Moritzburger ist und bereits Begegnungen mit Zeitzeug*innen in Vietnam selbst hatte. Die Anwesenden waren dabei besonders an der Gedenkkultur zu den vietnamesischen Kindern in Moritzburg interessiert.


Impressionen von unseren Auftaktveranstaltungen in Dresden (7.6.), Cottbus (14.6.) und Halle (28.6.2021)