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Neuigkeiten

27.01.2022

Podcast-Empfehlungen

Podcasts von und über die ostdeutsche Migrationsgesellschaft

Der Frühling ist noch weit, aber wir haben einen Vorschlag für all die Tage, an denen es draußen mehr grau als hell und überhaupt viel zu feucht-kalt ist: Podcasts hören!
Wir haben uns umgehört und eine (nicht repräsentative) Auswahl der (subjektiv) besten Podcasts-Reihen und –Folgen sowie Radiofeatures zusammengestellt, die sich mit der ostdeutschen Migrationsgesellschaft beschäftigen und von ostdeutschen BIPoC oder Menschen mit Migrationsgeschichte gemacht sind. Die perfekten Begleiter für einen Winterspaziergang!

Bayern 2/ Zündfunk Generator: „Ossis of Color – Zwischen Post-Ost und antirassistischer Arbeit“

MigOst-Mitarbeiterin Katharina Warda hat im Auftrag des Radiosenders Bayern 2 eine Einführung in die migrantische Perspektive auf ostdeutsche Themen erstellt. Grundlegende Informationen zur Migrationsgeschichte der DDR sind gemischt mit guter Musik und sehr persönlichen biografischen Erzählungen der Russlanddeutschen Angelika Kim (siehe auch weiter unten: Folge 26 von X3) und Katharina selbst. Ein Blogger dazu: „Ein super wertvoller Beitrag dazu, dass der Diskurs im Osten mittelfristig doch noch ein paar große Schritte nach vorne macht. Schlau, persönlich, souverän und fundiert.“


ANCHOR FM: X3

X3 bezeichnet sich selbst als „der erste Podcast zum Thema Russlanddeutsche und zur Postsowjet-Community in Deutschland und ab jetzt auch euer Lieblingspodcast“. Und das ist nicht übertrieben: Die einstündigen Folgen sind ein munterer Mix aus Kultur-, Politik- und Lifestylethemen mit einem Schwerpunkt auf queer-feministischen Aspekten – und ostdeutscher Migrationsgeschichte. Zum Beispiel Folge 43: da geht es um die Auswirkungen des Zerfalls der Sowjetunion für die DDR; in Folge 26 geht es mit der BIPoC und Russlanddeutschen Angelika Kim um Identitätsfragen; in Folge 24 dreht sich alles ums Ankommen und Folge 30 ist dem Internationalen Frauentag gewidmet und der Frage, wie Gleichstellung und Frausein in der ehemaligen Sowjetunion aussahen – um nur einige zu nennen. Reinhören lohnt sich!
 

Rice and Shine: „Meine Mama, die Blumenfrau“ & „Vossis – Viets im Osten

„Wir haben eine Mission, und die ist: verschiedene viet-deutsche Perspektiven in Deutschland einzubringen“. So formuliert es Vanessa Vu, die gemeinsam mit Minh Thu Tran 2018 den Podcast „Rice and Shine“ gestartet hat. Beste technische Qualität, eine lockere Gesprächsatmosphäre und ein riesiges Themenrepertoire kennzeichnen die einstündigen Folgen, die geradezu süchtig machen können.
Mit der ostdeutschen Seite der viet-deutschen Geschichte beschäftigen sich die beiden in Bayern aufgewachsenen Journalistinnen zweimal: einmal in der Folge „Vossis – Viets im Osten“, in der sie mit der Thüringerin Nhi Le über das Aufwachsen auf dem Land und ihren Alltag in Leipzig sprechen.  Sehr persönlich und berührend ist die Folge 36 „Meine Mama, die Blumenfrau“, für die Lin Tran ihre vietnamesische Mutter bei ihrem Alltag als Floristin begleitet hat und auf rassistische Aspekte in der medialen Berichterstattung über vietnamesische Florist*innen hinweist.
Unbedingt anhören!

Deutschlandfunk Kultur: „Auf Heimatsuche – Geschichten aus Deutschland

In dieser sechsteiligen Podcast-Reihe beleuchtet die Dresdner Journalistin Anh Tran im Auftrag von Deutschlandfunk Kultur das Thema „Heimat“ aus ganz verschiedenen Perspektiven. In jeweils 30 Minuten geht es u.a. um Lokalpatriotismus in Chemnitz, Unterschiede zwischen West und Ost sowie Deutsch-Sein ohne deutschen Pass. Klug, unterhaltsam und persönlich.
 

 

Projekt Umbruch: Folge 7 „Fünfjahresvertrag“ & Folge 12 „Das Erbe des Ostens

„Projekt Umbruch“ ist ein dokumentarisches Interview-Projekt zur Nachwendezeit. Der Podcast „soll die tausenden Geschichten des Umbruchs nach 1989/1990 hörbar machen.“, so die Selbstbeschreibung.
Besonders empfehlen können wir Folge 7 und 12: In Folge 7 erzählt der ehemalige Vertragsarbeiter Vinh Dao von der Bedeutung der Wende für die Vertragsarbeiter*innen in der DDR. Vinh Dao war 1987 in die DDR gekommen, genauer nach Berlin, hat dann im VEB Fortschritt Herrenbekleidung gearbeitet und beschreibt, dass die Wende nicht sofort die gleichen Freiheiten für Migrantinnen und nicht-Migrantinnen in der DDR bedeutet hat und was sich für ihn nach 1989 veränderte.

Eine andere Perspektive bringt Angelika Nguyen in Folge 12 ein. Die Filmemacherin und Publizistin ist als Tochter eines vietnamesischen Vaters und einer deutschen Mutter in der DDR der 60er und 70er Jahre aufgewachsen, also einige Zeit vor den Verträgen zwischen der DDR und Vietnam. Sie erzählt vom Rassismus der DDR-Gesellschaft, den Hoffnungen auf Reformen jenseits des Kapitalismus und dem guten und schlechten Erbe der DDR.
 

 

Initiative Postmigrantisches Radio

Sie wohnen in Weimar, Leipzig oder Berlin und bezeichnen sich selbst als „postmigrantisch, migrantisch, queer, kanackisch, BPOC und […] all das, wovor die AfD und Horst Seehofer Angst haben.“  In ihren Radiosendungen über Diskurs, Politik, Musik und Pop-Kultur-Themen setzen sie sich kritisch mit Herrschafts- und Machtstrukturen der weißen Mehrheitsgesellschaft aus. Davon abgesehen ist die „Initiative“ ist ein weiterer sehr persönlich und liebevoll gemachter Podcast auf unserer Liste.
Demnächst werden sie zum ersten Mal auf dem Hallenser Radiosender CORAX zu hören sein. Bis dahin kann mensch die Beiträge z.T auf Instagram nachhören: Postmigrantisches Radio (@postmigradio)

Radio Corax: „Über mosambikanische Vertragsarbeiter_innen in der DDR

Dieses halbstündige Interview mit Prof.in Marcia C. Schenck ist anders als unsere anderen Empfehlungen zutiefst akademische Kost und stammt NICHT von einer Person mit Migrationsgeschichte bzw. of Color. Wir empfehlen die Sendung trotzdem, weil die Professorin Interviews mit angolanischen und mosambikanischen Vertragsarbeitenden geführt hat und auf dieser Grundlage einen wirklich guten Überblick über das Thema Vertragsarbeit in der DDR gibt. Rahmenbedingungen der Vertragsarbeit und Bedeutung des Geschlechts kommen ebenso zur Sprache wie die heutigen Folgen. Wissenschaftlich fundiert und umfangreich!
 

Honorable Mentions:

Natürlich gibt es noch viele weitere tolle Podcasts und Radiosendungen von BIPoC und Personen mit Migrationsgeschichte – sowohl mit als auch ohne konkrete Thematisierung  der ostdeutschen Perspektive. Um nur einige zu nennen: Die taz-Podcast-Reihe „Weißabgleich“ und speziell die Folge „Ich bin die Summe aus so vielem“; die Talkrunden mit Gastgeberin Minh-Khai Phan-Thi in anderssein; die öffentlich-rechtlich-produzierte (und sehr witzige) Kanackische Welle; Diaspo.ASIA  und Diaspora Talk sowie der Podcast DonnaSori über KPop, anti-asiatischen Rassismus und Musikwissenschaft.

Foto: Nick Youngson via Alpha Stock Images

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