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Neuigkeiten

30.06.2022

MigOst-Beirat Nabil Abo Nasser im Interview

Nabil Abo Nasser unterstützt unser Projekt "MigOst" seit kurzem als Mitglied des Projektbeirats. Er lebt seit 2014 in Deutschland und engagiert sich seitdem unter anderem für den Aufbau selbstorganisierter Strukturen geflüchteter Menschen in Cottbus. Im Jahr 2020 wurde Nabil für seine ehrenamtliche Arbeit der DAAD-Preis für herausragende akademische Leistungen und besonderes Engagement verliehen.

Lieber Nabil, in Cottbus arbeitet MigOst eng mit dem Geflüchteten Netzwerk zusammen, dessen Mitgründer und Vorsitzender du bist: Fünf Erzählcafés haben dort schon in Kooperation mit dem Verein stattgefunden. 2017 ist das Geflüchteten Netzwerk als Selbstorganisation geflüchteter Menschen in Cottbus entstanden. Was war die Motivation für die Vereinsgründung und was ist Dir an Eurer Arbeit wichtig?

Unser Verein "Geflüchtete Netzwerk Cottbus" ist einer der ersten Selbstorganisationen in Brandenburg, der nur von Geflüchteten gegründet wurde.
Das Hauptziel unseres Vereins ist, die unterschiedlichen Anliegen der in Cottbus und dessen Umgebung lebenden Geflüchteten zu vertreten, deren Perspektive zu verbessern, und deren Stimme sichtbar zu machen. Die Mitglieder des Vereins gelten als Multiplikatoren, die andere Sprachen neben der deutschen Sprache beherrschen und seit längerer Zeit in Deutschland leben. Das macht sie zu Experten*innen, die die lokalen Behörden, Schulen und andere Organisationen über die alltäglichen Probleme, die die Geflüchtete erleben, zu beraten, sodass effiziente Lösungsansätze gefunden und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden.
 
Seit acht Jahren lebst Du in Cottbus, arbeitest hier unter anderem als IT-Administrator an der BTU Cottbus-Senftenberg, engagierst Dich für Bündnis 90/ Die Grünen in der Kommunalpolitik und mit dem Geflüchteten Netzwerk auch im Vereinsleben und im Migrationsbeirat von Cottbus. Du kennst die Stadt also sehr gut und prägst sie mit. Was verbindest Du, was verbindet Dich mit Cottbus?

Ich bin im Jahr 2014 in Cottbus angekommen, und somit wurde Cottbus wegen des längeren Asylverfahrens meine neue Heimat. An der BTU konnte ich mein Studium abschließen. Ab dem ersten Tag in Cottbus engagiere ich mich politisch in der Stadt und  setze mich für die Belangen der Geflüchtete in meinem Umfeld.
Die Besonderheit des Ostens und dessen Geschichte gelten für mich als Herausforderung. Denn man muss hier um alles kämpfen und das macht mir Spaß, trotz der Schwierigkeiten.    
 


Mit dem Projekt MigOst will DaMOst Gelegenheiten für die gemeinsame Auseinandersetzung mit der (eigenen) Migrationsgeschichte schaffen. Wir wollen die Teilhabe von Migrant*innen in Ostdeutschland sichtbarer machen und die eindimensionale mehrheitsgesellschaftliche Perspektive auf Migration erweitern, um so den Weg für vielfältigere (Stadt-) Geschichten zu ebnen. Dafür veranstalten wir seit Ende 2022 Erzählcafés, führen biografische Interviews und erarbeiten ab 2023 zusammen mit migrantischen Organisationen und Kulturinstitutionen in Stadtlaboren Kulturproduktionen für die Öffentlichkeit. Der Beirat aus Akteur*innen der Zivilgesellschaft, der Wissenschaft und der Politik unterstützt uns dabei mit seiner Expertise. Das Projekt wird im Rahmen des Förderbereichs Bürgerforschung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.


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