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Neuigkeiten

23.08.2021

Ausstellung 'Multiboy' von Sung Tieu

Sung Tieu, Subnational Enterprise

Eine Kerze vom VEB Wittol Wittenberg. Ein Teller vom VEB Henneberg-Porzellan. Eine Flasche Rumverschnitt vom VEB Weinbrand Wilthen. Alles zusammen steht auf einem improvisierten Ahnenaltar.


Mit diesen und anderen Objekten aus der DDR erinnert die 1987 geborene Künstlerin Sung Tieu an die vietnamesischen Vertragsarbeiter*innen, die in den 1980er zu Zehntausenden von der DDR angeworben worden waren. Einer davon war Sung Tieus Vater, und so ist die Ausstellung auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte der 1992 mit der Mutter von Nordvietnam nach Freital in Sachsen migrierten Künstlerin.

Zu sehen sind unter anderem ein Arbeitsvertrag, Auszüge aus einem Dokument, das die Hilfsarbeiten in einem Betrieb beschreibt, und Listen über die Anzahl der Vertragsarbeiter*innen und ihre Soll-Arbeitsstunden. Ausgestellt werden diese und andere Objekte wie in einer Werkhalle unter Neonlicht. Alle 15 Minuten werden die Besucher*innen mit lauten Fabrikgeräuschen vom Band beschallt. Eine eindringlich-bedrückende Erfahrung.

Sung Tieus persönlich-künstlerische Auseinandersetzung mit dem Arbeitsalltag, den Hoffnungen und Enttäuschungen vietnamesischer Vertragsarbeiter*innen ist eindeutig zu empfehlen.

Ausstellung: „Multiboy“ von Sung Tieu (Galerie für zeitgenössische Kunst Leipzig, Karl-Tauchnitz-Str. 9-11) noch bis 3. Oktober 2021.


Aktuelle Termine, News aus der Forschung und Infos zu Kulturveranstaltungen rund um das Thema ostdeutsche Migrationsgesellschaft gibts im monatlichen Newsletter unseres Projekts MigOst.


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